ALLES BIO, ODER WAS?

Seit Juli gibt es bei Blue Farm die Bio Oat Base zu kaufen. Wir sind dem “Bio-Faktor” auf den Grund gegangen und haben exklusiv mit einem Biobauern genau darüber gesprochen: Was bedeutet Bio-Qualität? Welche Vorteile hat “bio” und welche Nachteile gibt es? Außerdem haben wir uns die Frage gestellt, wer von der Bio-Qualität am meisten profitiert und wie wir Bio-Hafer (neben unserer Oat Base) noch verwenden können. 

Unser Blue Farmer, Leon, hat mit Mogli BiIlesberger vom Bio-Bauernhof Billesberger im Umkreis von München gesprochen. Mogli leitet seit 2007 den Betrieb seines Vaters und hat diesen komplett auf bio umgestellt. 

Bio-Qualität in der Landwirtschaft ist für viele Bauern, wie für Mogli,  oft mit einer tiefen inneren Überzeugung verbunden. Diese Qualität hat jedoch ihren Preis, sodass viele Konsument*innen oft noch auf Nicht Bio-Produkte zurückzugreifen. Zudem ist “Biologischer vs. Traditioneller Landbau” nicht gleichzusetzen mit “gut vs. schlecht”. Denn: so gut und ressourcenschonend ökologischer Landbau ist, muss wesentlich mehr Flächen herhalten, um einen ähnlichen Ertrag zu erwirtschaften. Gleichermaßen ist hervorzuheben, dass konventionelle Landwirtschaft ressourcenschonend Pflanzenschutz und Dünger einsetzen kann. Es lohnt sich also immer, einen differenzierten Blick in die Diskussion rund um “bio vs. nicht-bio” zu werfen und diese zu hinterfragen. Wer noch mehr über Insights zu dem Thema möchte, kann hier das vollständige Interview mit Mogli lesen.

Leon: Seit Juli gibt es unsere Oat Base auch als Bio-Variante zu kaufen. Jetzt sind wir gespannt zu erfahren, welche Bio-Produkte du hier auf dem Biobauernhof genau anbaust?

Mogli: Als ich damals den Hof meines Vater übernommen habe, gab es eigentlich nur die eine Variante: alles biologisch anzubauen. Angefangen mit fünf verschiedenen Früchten, hat sich der Hof in den letzten Jahren noch vielseitiger entwickelt und ich habe mich sozusagen auf Biodiversität spezialisiert. Und jetzt habe ich auf meinen großen Ackerflächen zwischen 12 und 14 verschiedene Kulturen. Von Urgetreide wie Emmer, Einkorn, Dinkel, Hafer bis Linsen, schwarze Bohnen, Sojabohnen oder Goldhirse - nur um einen Teil zu nennen. Auf knapp drei Hektar hab ich sieben verschiedene Kartoffelsorten und auf anderthalb Hektar an die 100 verschiedenen Gemüsesorten. Neben 45 Mutterschafen und Bergschafe, die zur Landschaftspflege da sind, haben wir noch 900 Hühner in drei Hühner-Mobilen, zwei Pferde, zwei Katzen und ein Hund - den Balu. Ich bin seit fast 12 Jahren der einzige Biobauer hier im Dorf neben einem anderen Bauern, der letztes Jahr auf bio umgestellt hat.

Biobauer Mogli
Biobauer Mogli vor seinem Hof

Leon: Dann kommen wir doch gleich zur Frage, was dich dazu angetrieben hat, nur exklusiv bio anzubauen? Was waren deine Hintergründe?

Mogli: Also ich muss kurz ausholen. Was ganz wichtig war, ist die ökologische Prägung von beiden Seiten meiner Eltern. Damit meine ich gar nicht nur in Bio-Qualität essen oder so. Mein Vater war schon immer sehr ökologisch angehaucht. Er pflanzt noch immer mit seinen 81 Jahren jährlich Bäume. Und meiner Mutter war es immer wichtig, dass wir zusammen Mittagessen. Sie hat schon damals ganz viel Gemüse für uns gekocht und ist mit uns schon als Kinder ins Reformhaus gegangen. Das war, glaube ich, damals das uncoolste, was es überhaupt gab. 

Und so glaube ich, kam das von klein auf, dass uns unsere Eltern einfach vorgelebt haben, dass gesunde Lebensmittel wichtig sind. Und ich werde ganz oft gefragt, warum ich ausschließlich bio mache. Ich kann das gar nicht genau sagen. Ich hab hier angefangen und hab mir von Anfang an gesagt: Entweder ich mache das biologisch oder ich mache es gar nicht! Dann kam ein Bio-Berater von Naturland auf den Hof. Der hat mich beraten und mich sehr unterstützt und bestärkt in dem, was ich machen wollte. Und dann habe ich mir gedacht: das probiere ich jetzt aus! Mit dieser ganzen konventionellen Landwirtschaft - mit Spritzmittel und so weiter - wollte ich nichts zu tun haben, weil ich denke, es muss auch anders gehen. Und insofern ist die kurze Antwort: Ich bin aus Überzeugung Biobauer.

Leon: Was ist der Unterschied von biologischem Anbau zu konventionellem Anbau, vor allem, in der Produktion? Ich hab mal gehört, dass man im biologischen Anbau weniger Ertrag pro Fläche rauskommt. Gibt‘s da noch mehr Unterschiede, die du in der Produktion anders machst?

Mogli: Also einmal kann natürlich ganz viel unterschieden werden in EU, Bio, in Verband, Demeter und, und, und. Soweit gehen wir jetzt mal nicht: klassisch unterteilt man in Pflanzenbau und Tierhaltung. Bei der Tierhaltung ist es so: Biologisch gehaltene Tiere haben mehr Platz, kriegen biologisch erzeugtes Futter und man muss sie, wenn die Witterungsbedingungen es zulassen, raus in die Natur lassen. Das ist schon bei konventioneller Tierhaltung nicht so. 

Bio-Pflanzenbau heißt konkret, dass keine synthetisch erzeugten Düngemittel, Spritzmittel wie Pestizide, Fungizide und ähnliches angewendet werden dürfen. Dies ist allerdings teils auch schon in der traditionellen Landwirtschaft der Fall. Das bedeutet, dass möglichst wenig und nur gezielt Düngemittel und Pestizide  verwendet werden. So, wie ihr es bei eurer Oat Base Natur bereits sicherstellt. Außerdem musst du beim biologischen Anbau Bio-Saatgut verwenden und du hast ganz andere Züchtungen. 

Wenn dein Hafer gesund ist, dann soll dieser möglichst hoch wachsen. Und warum wollen wir hohe Pflanzen? Weil die meisten Getreidearten von Pilzen befallen werden, die bodenbürtig sind. Das heißt, dass der Pilz vom Boden über den Wind kommt, in die Ähre geht und diese ansteckt. Je länger mein Bio-Getreide ist, desto weniger kann es also von Pilzen angefallen werden. Allerdings: Ein hoher Hafer hält nicht so viel Ertrag wie zum Beispiel ein ganz niedrig gezüchteter und gespritzter. Denn: je höher die Pflanze ist, desto weniger standfest ist sie. Bei viel Ertrag kann die Pflanze beispielsweise bei viel Regen umfallen und der Mähdrescher erwischt ihn nicht mehr so gut. Wir haben dann kein Spritzmittel, was wir dagegen geben können. Deshalb versuchen wir vorbeugend keine Pilze zu bekommen. Und natürlich diese Massen von Ertrag, die teilweise im nicht-biologischen Anbau geerntet werden, könnte eine biologische Pflanze gar nicht wirklich halten, ohne dass sie umfällt, wenn Sturm oder Starkregen ist. Und da sind wir bei einem entscheidenden Punkt: beim biologischen Anbau bekommt man die Hälfte vom Ertrag und kriegt den doppelten Preis. Natürlich spielen da noch ganz viele andere Faktoren mit und das zählt nur für Europa.

Leon: Was für Auswirkungen hat der biologische Anbau auf deine eigene Biodiversität auf dem Bauernhof und auf die Umwelt darum? Und was ist Biodiversität eigentlich genau? Ein Begriff, der oft benutzt wird, den aber nur wenige Leute kennen.

Mogli: Die Biodiversität ist die Vielfältigkeit in der Natur. Das könnte man als Definition sagen. Aber Bioanbau heißt nicht, dass du damit automatisch die Biodiversität förderst. Wie fördert man diese? Indem man Hecken anlegt, Gewässerrandstreifen, die jetzt Pflicht sind nach dem Volksbegehren, Blühflächen, Blühstreifen und eben jede Art Nische, die die Nahrungskette fördert. Was wir als Biobauern versuchen, sind vor allem Nützlinge zu fördern. Also Tiere und Insekten, die Schädlinge fressen. Wenn wir jetzt eine Blühwiese anbauen oder ein Blühstreifen an einem Feld, dann sind da viele Insekten, die z.B. auch Vögel wiederum ernähren, aber auch Insekten, die Nützlinge sind, indem sie Schädlinge fressen, die unser Getreide befallen könnten. Aber auch die Hecke oder der Blühstreifen bricht den Wind. Du hast weniger Erosion und für andere Nützlinge einen Unterstand und schaffst Lebensraum. Das alles anzulegen, kostet erst einmal Geld und viel Pflege. Aber auf Dauer gesehen gibt es für die Biodiversität, für die Vielfältigkeit in unserer Natur, nichts Besseres. Und wenn wir weiterhin nachhaltig von unserem Boden leben wollen, sind solche Maßnahmen ganz wichtig. Und das ist im biologischen Anbau viel leichter zu erreichen als auf konventionelle Art und Weise.

Leon: Und was unsere Kunden natürlich wahnsinnig interessiert, was für einen Unterschied macht es für sie persönlich, biologische Produkte einzukaufen - im Vergleich zu konventionellen Produkten? Gibt es da vielleicht gewisse Inhaltsstoffe, die man in biologisch angebautem Gemüse oder Getreide mehr hat?

Mogli: Für den Körper macht es insofern einen Unterschied, als das biologische Produkte weniger oder gar nicht mit irgendwelchen Pestiziden belastet sind und natürlich auch nicht mit den industriell erzeugten Düngemitteln. Dazu gibt es noch ganz viele andere Faktoren, die natürlich gut sind. Für die Umwelt haben wir schon Vorteile genannt, aber es gibt auch für den eigenen Geldbeutel Vorteile. Erst einmal denken wir oft, dass bio zwar teuer ist, aber wenn man einmal genauer hinschaut, gibt es Zusatzkosten in der konventionellen Landwirtschaft. Jeder Steuerzahler in Deutschland zahlt mehr Steuern, weil wir in Deutschland konventionelle Landwirtschaft betreiben. Das einfachste Beispiel: durch konventionellen Anbau und durch die zum Einsatz kommenden Spritzmittel, die in den Bach gelangen, muss das Abwasser gereinigt werden. Das zahlt alles die Öffentlichkeit. Das heißt: „The hidden cost of conventional agriculture“. Es gibt noch ganz vieler solcher Faktoren und Nebeneffekte, die nicht entstehen würden, würde ein ganzes Land biologischen Ackerbau betreiben.

Leon: Und eine abschließende Frage an dich. Ihr baut ja hier euren eigenen Hafen hier auf dem Biobauernhof an. Mich interessiert, was du mit deinem selbst angebautem Hafer alles herstellst und was dein Go-to-Product ist? Haferflocken fürs Müsli oder machst du dir damit dein eigenes Brot?

Mogli: Ich habe dieses und letztes Jahr Nackt-Hafer angebaut. Das ist eine besondere alte Hafersorte, die beim Dreschen gleich aus den Spelzen rausfällt. Dann hast du das ganze Korn. Es ist von den Aminosäuren her super hochwertig und natürlich ist das Beste, den Hafer roh zu essen. Wir machen uns hieraus auch Flocken. Die darfst du allerdings nicht im Vorrat herstellen. Normale Haferflocken sind konserviert. Wenn du frische Haferflocken machst, können die schnell ranzig werden, da der Hafer sehr fetthaltig ist. Das heißt, du machst nur soviel, wie du brauchst. Meine Freundin, mein Kind und ich machen uns Frühstück, z.B. am besten natürlich roh, mit Pflanzenmilch und frischem Obst. Ein Freund von mir, der ein vegetarisches Sternelokal betreibt, hat ein ganz tolles Risotto aus Hafer gekocht. Das habe ich jetzt zum ersten Mal gegessen und das schmeckt super gut und hat eine ganz tolle Geschmeidigkeit im Mund. Und das ist das Schöne: der Phantasie sind beim Hafer keine Grenzen gesetzt.

Leon: Ein Risotto Rezept aus Hafer! Das werden wir auf jeden Fall in Angriff nehmen! Mogli, ganz vielen Dank dir für das Interview und deine Einsicht in den Biobauernhof.

Haferpflanze
Haferpflanzen

Wir ziehen die Öko-Bilanz: 

Zum Glück müssen sich unseren Kund*innen nicht entscheiden und auch geschmacklich gibt es keinen Unterschied zu unserer Oat Base Natur. Mit der Entwicklung der Bio Oat Base ist es uns ein Anliegen, der immer steigenden Nachfrage nach Bioprodukten zu folgen. Wir freuen uns darüber, denn diese ist ab sofort bei uns im Shop zu kaufen, siehe hier.  

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